Wirtschaftslage

Wirtschaftslage

Je nachdem, wie man den Begriff interpretiert,  ist Tunesien ein Entwicklungsland.

Etwas mehr als 7% der Bevölkerung* leben unterhalb der Armutsgrenze, mit weniger als 1 US -Dollar/Tag (= ca. 20 EUR/Monat) an Einkünften.
Gleichwohl ist in Tunesien die Kluft zwischen arm und reich sehr groß. Menschen in verschlissener Kleidung auf einem Eselskarren, die auf der Straße von einem großen neuen BMW überholt werden,  ist ein Bild, das man in Tunesien Straßen häufig sieht. Abbruchreife Hütten nicht weit entfernt von Traumschlösschen in weiß und blau gibt es ebenso, wie wohlsituierte Familienclans am Strand und 200 Meter weiter Frauen, die ihre magere Ziegenherde am Straßenrand grasen lassen.

Staatliche Unterstützung in Form von Sozialhilfe existiert in Tunesien nicht. Nach einer Reform der Krankenversicherung im Jahr 2005 sind nunmehr laut offiziellen Zahlen 80 % der tunesischen Bevölkerung von der Gesundheitsfürsorge erfasst.

Das Bruttoinlandsprodukt von Tunesien betrug im Jahr 2015 127 Milliarden US-Dollar (zum Vergleich Deutschland: 3,84 Billionen US-Dollar), wobei gegenüber dem Vorjahr nur ein Wirtschaftswachstum in Höhe von 0,8% zu verzeichnen war.

Aus Landwirtschaft und Industrie werden nur 38% des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet*.

Tunesien ist ein Importland. Im Jahr 2015 wurden Waren und Güter im Wert von 19 Milliarden US-Dollar im- und 14 Milliarden US-Dollar exportiert.

Der mit Abstand größte Abnehmer tunesischer Produkte ist Frankreich mit fast 29% (Deutschland: 11%)*.
Exportschlager sind: Textilien, Produkte der Zuliefererindustrie, landwirtschaftliche Produkte und Phosphat (Dünger).

Der Tourismus in Tunesien hat sich nach dem politischen Umbruch im Jahr 2011 und besonders nach den Anschlägen 2015 noch nicht wieder erholt.
Während 2010 vom Tourismusministerium noch 35,5 Millionen Übernachtungen verzeichnet wurden, waren es im Jahr 2015 nur noch 16,1 Millionen Nächte. Das ist insgesamt ein Rückgang um mehr als 44%.
Damit sanken die Einnahmen aus dem Tourismus von insgesamt 7% auf 3% des Bruttoinlandsproduktes.
Die meisten Besucher kommen aktuell aus Algerien, den Golfstaaten und den ehemaligen Ostblockländern.

Die Arbeitslosenquote ist hoch: 2015 15,4%*. Von der Beschäftigungslosigkeit sind am meisten Frauen, Hochschulabsolventen und Jugendliche betroffen.

Alles in allem ist die derzeitige wirtschaftliche Situation in Tunesien alles andere als rosig. Das ist auch der Grund für wachsende Unmut in der Bevölkerung, welche sich durch den Sturz der Regierung im Jahr 2011 wesentlich mehr Wachstum erhofft hatte.
Dieser Unmut bricht sich aktuell immer wieder Bahn in Demonstrationen und vor allem vielen Streiks, die zum Beispiel den Phosphatabbau stellenweise zum Erliegen brachten.