Sitten & Gebräuche

Sitten und Gebräuche

Begrüßung

Zur Begrüßung wird immer nur die rechte Hand gegeben, die linke Hand gilt im Islam als “unrein”.

Unter guten Bekannten/Freunden wird sich mit Kuss auf die Wange begrüßt. Bezüglich der Anzahl der Küsse auf jeder Seite gibt es unterschiedliche Auffassungen, bzw. das hängt auch davon ab, wie gut man den anderen kennt (mir sagte mal jemand “wir sind hier in Tunesien, da gibt man insgesamt 4 Küsse”).

Die Begrüßungsworte gibt es in meinem kleinen Arabisch- Wörterbuch. Es werden dem Alter nach (absteigend) zuerst die Männer begrüßt und dann die Frauen.

Einladungen

Grundsätzlich sind Einladungen ernst gemeint und werden auch ernst genommen, das bedeutet eine Einladung anzunehmen und dann nicht zu erscheinen ist äußerst unhöflich.

Allerdings werden Einladungen gelegentlich auch als Floskel ausgesprochen (vor allem in touristisch stark frequentierten Gegenden). Frag lieber noch einmal nach, wenn du unsicher bist.

Die Tunesier sind sehr gastfreundlich und tun alles dafür, damit sich der Gast (natürlich aus der Sicht des Tunesiers) wohl fühlt. Auf jeden Fall sollte man ein Gastgeschenk (mindestens eine Kleinigkeit für die Kinder) mitbringen. Man sollte dem Gastgeber zuliebe seinen Teller leer zu essen (natürlich auf die Gefahr hin, dass immer wieder nachgefüllt wird).
Hoch angesehen sind Gäste, die bezüglich des Schärfegrades des Essens bei den Gastgebern mithalten können .

Mitbringsel/Geschenke

Ob man bei Tunesiern seinen Urlaub verbringt oder nur zum Essen eingeladen ist, Mitbringsel gehören in jedem Fall dazu. Hier eine kleine Auswahl an Präsenten, die bisher gut angekommen sind. Diese sollten natürlich dem Anlass und Geldbeutel entsprechend ausgewählt werden:

  • für Männer: Bekleidung (jeder Art) am liebsten natürlich echte Markenware, W
    Mitbringseltipp Patisserie

    erkzeug, Elektronik, Spirituosen (natüüürlich nur zum Tauschen), Parfum

  • für Frauen:  Kosmetika (Duschgel, Shampoo, Schminke, Haarfärbemittel, Parfum etc.), Tücher, Schuhe, Haarschmuck, Süßigkeiten, “Nippes”
  • für Kinder: natürlich Spielzeug, und gaaanz wichtig, (europäische) Schokolade in allen Variationen, Malbücher und -stifte, Haarschmuck für die Mädchen, Aufkleber, Kinder-Tattoos 

Sollte man nichts derartiges zur Hand haben, kommen auch immer die süßen Leckereien aus einer der vielen Patisserien gut an.

Kleidung

Man muss nicht einmal besonders aufmerksam sein um den Unterschied zwischen europäischen und tunesischen Bekleidungsgewohnheiten zu bemerken. Selbst bei sehr hohen Temperaturen kleiden sich die meisten Tunesier nicht allzu freizügig. Gerade jüngere Menschen bevorzugen zwar legere Kleidung wie Jeans und Flip-Flops, aber die älteren Tunesier und -natürlich- die meisten Frauen sind oft sehr akkurat gewandet.
Hemd, Sakko und Hose mit Bügelfalte sind bei den Männern keine Seltenheit, selbst wenn sie verschlissen sind, also die Kleidung meine ich 😉 .
Es gibt ein Kleidungsstück, das bei tunesischen Männern sehr oft vorkommt und zwar der Arbeitskittel. Braun, blau oder grün, die Naturfarben dominieren bei dieser Bemäntelung und die Träger wirken immer seeeehr beschäftigt. 

Zugenommen hat in den letzten Jahren die Zahl der Menschen, die mit ihrer Kleidung ihren islamischen Glauben zum Ausdruck bringen wollen. Das betrifft sowohl Männer als auch Frauen. Die häufigste Verschleierungsform bei den Frauen ist der Hidjab (ein farbiges Koptuch, das

Kleidung und Kleidung

Haare, Ohren, Hals und Schultern bedeckt).  Der Niqab (schwarzer Gesichtssschleier, der nur die Augen freilässt) wird immer zusammen mit der Abaya (sackartiges, dunkles oder schwarzes Überkleid) getragen.

Diese Art der Vollverschleierung ist in Tunesien zwar -noch- nicht offiziell verboten, wird aber von der Staatsmacht wegen der möglichen Terrorgefahr nicht gern gesehen.

Auch wenn es oft so scheint, aber die Tunesier sind deshalb nicht angetan von dem Bekleidungsstil mancher Besucher, die Angestellten eines Hotels können sich nur nicht wehren.

Oben-ohne am Strand ist wirklich absolut unerwünscht und daher ein Tabu. Kurze, knappe und “aufreizende” Kleidung trägst du am besten, wenn überhaupt, nur auf dem Hotelgelände.

Angemessene Kleidung sollte, ob bei Touren durch das Land oder Shopping in der Medina, als Zeichen des Respektes gegenüber den Einheimischen obligatorisch sein.

Almosen

Almosen zu geben ist eine der fünf Säulen des Islam. Geld und/oder Lebensmittel zu spenden ist den Tunesiern deshalb sehr wichtig. Auf den Straßen sieht man zwar nur sehr wenige Bettler, aber die Einheimischen geben augenscheinlich Bedürftigen oft und gern.
Das können ein paar Münzen oder aber auch eine Flasche Wasser, Brot oder ein Snack aus einem Imbiss sein.
Auf bettelnde (nicht neugierige!) Kinder trifft man sehr selten, da sie grundsätzlich von der Familie mitversorgt werden. Trifft man auf bettelnde Kinder, ist leider die Chance sehr groß, dass sie Teil einer organisierten Bande sind. Wenn man nicht “nein” sagen kann, sollte man nur kindgerechte Spenden, wie z.B. Süßigkeiten geben.

Handeln

Für Besucher, die gerne Feilschen, sind die tunesischen Märkte ein Paradies.  Handeln gehört (außer in den Läden mit staatlich festgelegten Preisen) zum Einkauf dazu.
Achte aber darauf, dass du den Einstiegspreis nicht zu niedrig ansetzt, sonst könnte der Verkäufer schnell ernsthaft beleidigt sein.

Beim richtigen Handeln dauert der Kauf einer Ware mitunter eine Stunde und mehrere Gläser Tee und wird abgeschlossen mit dem Versprechen, auf jeden Fall wieder vorbei zu kommen.

Handeln ist überall erlaubt, z.B. auch beim Taxi/Louage-Fahren oder sogar bei Touristen-Angeboten wie Kamelreiten, Piratenschiff usw. 

Zweisamkeit

Paare sollten den allzu intensiven Körperkontakt in der Öffentlichkeit nach Möglichkeit unterlassen. Küssen, Streicheln und Liebkosungen sind Privatangelegenheiten und sind daher nicht wirklich gern gesehen.

Händchenhalten ist gerade für die tunesische Jugend die einzige Möglichkeit in der Öffentlichkeit Zuneigung zu bekunden und sollte daher auch als Maßstab für Besucher gelten. Manchmal sieht man auch junge Männer Hand in Hand gehen. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Männer homosexuell sind, sondern nur, dass sie eine sehr enge Freundschaft verbindet.

Die männlichen Tunesier sind die Weltmeister des Flirts. Um eine Frau für sich zu gewinnen oder mindestens beeindruckt zu haben, werden eine Reihe von heimlichen oder offensichtlichen Annäherungsversuchen gestartet.
Augenkontakt, ein Lächeln, blumige Komplimente, kleine Liebesbotschaften in Zettelchenformat, ein gesungenes Lied,  kleine Geschenke, SMS in vollendet lyrischer Form, ein Tanz… eben all das, was fast jede Frau irgendwann  schwach werden lässt.

Allerdings ist man als Frau auch häufig weniger schönen Annäherungsversuchen ausgesetzt. Pfiffe, obszöne Gesten oder plumpe Anmachen werden am besten mit Ignoranz oder einem deutlichen “Nein” beantwortet. 

Wenn Frau sich allerdings ernsthaft in einen Tunesier verliebt hat, kann es wichtig sein, schon einmal etwas von Bezness gehört zu haben.

Männliche Besucher Tunesiens sollten es besser nicht auf einen Flirt mit einer Tunesierin anlegen. Zu groß sind die gesellschaftlichen Verpflichtungen vor allem der jungen Frauen.  Sie werden in der Regel sehr streng “bewacht”.
Beziehungen zwischen männlichen Europäern und Tunesierinnen sind daher in der Regel sehr selten.

Jasminsträußchen / Mechmoum

Dieser nette Herr bestand auf das Foto 😉

Jeder Tunesienbesucher kennt diese unglaublich intensiv duftenden kleinen Sträuße. Sie sind für ca. 1 Tunesischen Dinar (TND) an fast jeder Straßenecke zu haben. Die kleinen Gebinde sind Dekoration, Schmuck, Duftbaum und Glücksbringer gleichermaßen.
Hinter dem rechten Ohr getragen zeigen sie, dass der (männliche) Träger verheiratet ist, hinter dem linken bedeutet der Träger ist noch zu haben. Frauen können die zu Ketten verarbeiteten Blüten um den Hals tragen. 
Leider verwelken sie unglaublich schnell.

Bei den Blüten handelt es sich nicht ausschließlich um Jasmin, es werden auch Orangenblüten verarbeitet. In Tunesien heißen die Sträuße Mechmoum oder auch Fell/Fill. 

Ich kann nur jedem empfehlen, mindestens einmal während des Urlaubes ein solch filigranes Sträußchen zu erwerben. Diesen Duft vergisst man nie!

Der Wasserschlauch

Die Benutzung einer tunesischen Toilette kann vor allem in privaten Haushalten oder in ländlichen Gegenden für den unwissenden Besucher sehr skurril sein oder jenen in echt hochnotpeinliche Situationen bringen.
Deshalb soll diese Rubrik auf meiner Seite nicht fehlen. 

Im günstigsten Fall (natürlich in den allermeisten Hotels und Restaurants in den Küstenregionen) ist die tunesische Toilette mit einer Wasserspülung und Toilettenpapier ausgestattet.

Manchmal gibt es in den Toiletten jedoch nur einen Wasserschlauch und evtl. noch einen Eimer.

Anwendungshinweise:

Wasserschlauch in einer Hoteltoilette

Nach dem Geschäft (vor allem dem großen) dient das Wasser aus dem Schlauch der Säuberung der entsprechenden Körperregion. Man nehme den Schlauch in die rechte und säubere sich mit der linken Hand (linke Hand=unrein wir erinnern uns).
Dem ungeübten,
rechtshändigen Europäer mag das einige akrobatische Höchstleistungen abringen, aber keine Angst, niemand kann Sie sehen.
Wenn Sie also lieber die Seiten tauschen wollen, entspricht das zwar nicht den Regeln, ist aber hinterher schöner, als ein nasser Rücken.

Manchmal liegt noch ein Handtuch zum Trocknen der nun nassen Stelle in der Nähe, ich persönlich rate aber von der Benutzung ab.
Nach der Säuberung wird Wasser in den Eimer
gefüllt und damit gespült.
Wenn man Glück hat, besteht nun die Möglichkeit sich die Hände mit Seife zu
waschen.
Wenn man einen schlechten Tag hat, fehlen Eimer, Seife und sogar das Waschbecken.
Für diesen Fall
habe ich keine Lösung, die ich hier schreiben würde ;-).

Geburtstage

Geburtstage werden in Tunesien in der Regel nicht gefeiert.
Es kommt vor, dass jemand den genauen Tag seiner Geburt nicht einmal kennt (da dieser z.B. nur nach dem islamischen Kalender notiert wurde). Sei also nicht überrascht, wenn du jemandem gratuliert und diese Person nur verwirrt schaut.

Metzgerei / Schlachtung

Es ist Sitte in Tunesien, dass der Metzger als Zeichen seines Fleischangebotes den Kopf des geschlachteten Tieres vor die Ladentür hängt. Makabererweise werden dem jeweiligen Kopf manchmal noch ein paar Büschel Gras oder Petersilie ins Maul gelegt.

Für den empfindlichen europäischen Besucher ein sehr befremdlicher Anblick. Durch die Einführung von Kühlgeräten und der damit verbundenen längeren Haltbarkeit des Fleisches ist diese Sitte jedoch ein Auslaufmodell.

An den Straßen Tunesiens gibt es, vor allem Richtung Süden, sehr häufig Grillstände. Diese werden vor allem von Fernfahrern frequentiert. Die frisch geschlachteten Ziegen oder Schafe hängen dort direkt neben dem Grill. Das dient nicht nur der Werbung, sondern so kann sich der Kunde auch direkt sein Wunschstück aussuchen.

Hochzeiten

Eine Hochzeit ist in Tunesien ein örtliches Großereignis. Es ist der wichtigste Tag im Leben einer Frau, da sie zumindest bei diesen Feierlichkeiten die wichtigste Person ist.
Eine traditionelle Hochzeit wird mehrere Tage lang gefeiert. Die Abläufe und Inhalte der Tage sind von Region zu Region unterschiedlich. 

Für die Braut beginnen die Hochzeitsvorbereitungen oftmals schon Tage und Wochen vor der eigentlichen Feier.
Da weiße Haut ein Schönheitsideal ist, verlässt sie nur noch selten das Haus, um möglichst wenige Sonnenstrahlen an die Haut zu lassen.

Die Hochzeitsfeierlichkeiten beginnen mit dem Hammam-Besuch der Braut und weiblichen Angehörigen der Familie der Braut. Unter allerlei musikalischer Begleitung wird die Braut für die bevorstehende Hochzeit vorbereitet. Sie wird u.a. komplett enthaart (bis auf die Augenbrauen und Kopfhaare) und das erste (von mind. 3x) Henna wird an Händen und Füßen aufgetragen. Diese Prozedur bekommt jedoch nicht nur die Braut selbst, sondern alle weiblichen Begleiterinnen, wobei die Bemalung der Braut natürlich herausragt.
Am nächsten Tag wird das Henna erneut aufgetragen, damit es möglichst dunkel wird.

An diesem oder am folgenden Tag kommen die Brautleute und deren Familien zusammen. Es findet die Übergabe der Geschenke (auch des Bräutigams an die Braut) statt.
Dem Bräutigam und allen anderen Junggesellen in seiner Familie) wird der kleine Fingers mit Henna bemalt (früher wurde als Zeichen der Zusammengehörigkeit die ganze Hand des Bräutigams bemalt).

Am nächsten Tag findet dann die offizielle Vermählung vor dem Standesbeamten statt.
Danach feiert die gesamte Hochzeitsgesellschaft.Unzählige unterschiedliche Rituale begleiten eine solche Hochzeit, die Kinder, Glück, eine langes Leben und eine gute Ehe bringen sollen.Finanziell gesehen ist eine Hochzeit ebenfalls ein Großereignis.
Nicht selten sind Hunderte von Gästen zu beköstigen, es wird ein teures Auto geliehen, ein Fotograf bestellt, Kleider, Anzüge werden gekauft etc.

Einen ausführlichen Bericht zu einer traditionellen Berber-Hochzeit von Regine Lorenz gibt es hier.