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Es sei hier ernsthaft gewarnt vor einer hochansteckenden Krankheit, die vor
allem, aber nicht nur, junge, aufgeschlossene Frauen befällt.
1.) Möglichkeit der Ansteckung
Die Buchung eines völlig normalen
ich-muss-hier-mal-raus-aber-weiß-nicht-wohin-nur-in-die-sonne-und-nicht-so-teuer-pauschal-Urlaubes.
Man verlebt einen entspannten Urlaub und betritt deutschen Boden vollgeschmiert
mit künstlicher Henna-Bemalung und den Kopf voller orientalischer Lieder, Gerüche,
Geschmäcker und Manche mit verlorenem Herzen.
2.) Inkubationszeit
Meist recht kurz. 1-2 Wochen, je nachdem wie lange der Aufenthalt dauerte
3.) Erste Anzeichen
Man sieht die Henna-Tattoos verblassen und muss feststellen, dass es schmerzt,
wenn die Bekannten das "arabische Gejaule" nicht so schön finden, wie
man selbst (sie haben nun mal nicht in diesem süßen Straßencafe in Sousse,
Hammamet, Mahdia oder Tunis etc. gesessen).
Nun teilt sich die Gruppe der Infizierten.
1. Gruppe :
Diejenigen, die es als schöne Erinnerung betrachten aber das nächste
Mal lieber wieder nach Spanien fliegen.
Diese Gruppe war nie wirklich infiziert und erholt sich schnell wieder.
2. Gruppe
Diejenigen, die den Kontakt nicht abreißen lassen und sich auf die Suche nach
Gleichgesinnten begeben.
Diese Gruppe hört, auch nach 72-stündiger Dauerbeschallung, kein
"arabisches Gejaule", sondern immer noch melancholische, sehr schöne
Musik.
Teile dieser Gruppe haben sich ernsthaft in "braune-Augen-kurze-schwarze-Haare"
verliebt und versuchen alles, um spätestens in 2 Monaten wieder unten zu sein.
(Da ich mich selbst nicht zu diesem Teil der 2. Gruppe zähle, muss ich die
ausschweifende Beschreibung des Leidens dieser Personengruppe an dieser Stelle
abbrechen )
3.) Pseudo-Erholungs-Phase
Man beschließt, den nächsten Urlaub auf jeden Fall wieder in Tunesien zu
verbringen und kann den Erscheinungstermin der Reisekataloge für den kommenden
Sommer nicht erwarten.
Im günstigsten Fall wird die Reise sofort (am besten übers Internet) gebucht
und dann vergehen Monate des qualvollen Wartens.
4.) Phase der Leugnung
Schon 2-3 Monate vorher werden die Sommersachen aus dem Schrank gesucht und die
Reiseplanung beginnt.
Die komplette Reise wird schon Wochen vor dem genannten Termin bezahlt.
Der mp3-Player wird mit der passenden Musik bestückt usw.
..."nein,
ihr müsst euch keine Sorgen machen, alles in Ordnung mit mir..."
5.) die heiße Phase
Die letzten 4 Wochen vor der Reise werden jeden Tag akribisch neue Pläne für
den Urlaub geschmiedet, 1001 Dinge eingekauft, recherchiert und nachgelesen.
Körperliche Symptome unmittelbar vor der Reise sind akute Schlaflosigkeit,
Desorientierung, innere
Unruhe, erhöhte Pulsfrequenz, Schweißausbrüche und Hektik
6.) fehlende Krankheitseinsicht
Ich bin nicht krank, es ist doch völlig normal, dass ich schon 4 Stunden vor
der Abflugzeit am Schalter ungeduldig mit den Füssen stampfe, damit ich auf
jeden Fall einen Fensterplatz bekomme....
Die Zeit des Fluges vergeht wie in Trance bis.....
...ja bis die erste Spitze Tunesiens direkt rechts hinter Sizilien auftaucht.....
der Flieger setzt zum Landeanflug an....
....die Anspannung ist kaum auszuhalten ....
und tatsächlich gelandet....
...Aeroport Habib Bourguiba...kann man in dicken Lettern lesen...
Viel zu lange dauert es, bis der Flieger endlich am Gate ist. (Jaaaaa ich habe
gehört, dass man bis zum Schluss angeschnallt bleiben muss)
Die Tür öffnet sich, man überlegt kurz, alle Pauschal-Touris (nein, dazu
zählt man sich nicht mehr) umzurennen um dann endlich deeeen Duft zu riechen..
Heiße Luft, Kerosin, und das Salz des Meeres...
(Wer an dieser Stelle immer noch glaubt er sei nicht krank, >> zurück zum Anfang)
Man verlebt (wieder) einen herrlichen Urlaub, hat (wieder) schöne, fremde und
vertraute Eindrücke, trinkt (wieder) das "geliebte" "Celtia",
lernt (wieder) unglaubliche Dinge kennen.
7.) Status "unheilbar" erreicht
Die letzten Tage in Tunesien und die ersten in Deutschland verschwimmen in einem Meer aus Tränen.
Man will nicht zurück und hier nicht
sein. Es fällt schwer in das "normale" Leben zurück zu finden.
Das letzte "Marwa" geht zur Neige, die letzten Köstlichkeiten werden
gegessen, das letzte Shirt riecht wieder nur nach deutschem Weichspüler.
Man fühlt
sich unverstanden ("nun mach mal nicht so ein Drama draus") und
hilflos ("ich will wieder zurück").
Das kann doch nicht sein, dass 1, 2,, 3 oder 4 Wochen so schwupps einfach vorbei
sind.
Ich will wieder zurück und zwar jetzt !!!!!
Will nicht arbeiten, will nicht einkaufen, will nicht das Schmuddelwetter (wobei
auch 25°C in Mitteleuropa in dieser Phase Schmuddelwetter sind), will nicht
abgelenkt werden, will nicht
aufhören, von wogenden Palmen zu träumen, will nur noch DORT sein.
Die Tage fließen dahin, irgendwann hat einen der Trott wieder eingeholt
(kann bis zu 3 Wochen dauern).
Es bleibt die Sehnsucht.
Der Grund, warum ein Jahr ohne Tunesienurlaub für mich ein verlorenes Jahr ist.
Was dann folgt ist Phase 4-7 in scheinbar endloser Wiederholung
8.) Gegenmittel
Mir nicht bekannt und eigentlich auch nicht nötig !!
Wer bis hier gelesen hat :
Danke !
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