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Reisebericht Tunesien 2011 |
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Eigentlich
war für 2011
kein Tunesienurlaub geplant. Dann kam der Januar und ich war
hin-
und hergerissen zwischen "zu gefährlich" und "ich will wissen,
wie
es dort jetzt ist".
Als dann Ende Juni offiziell wurde, dass die Wahlen auf den Oktober verschoben werden, reifte die Idee "Meinem Tunesien" doch einen Besuch abzustatten. Es sollte ein schlichter Badeurlaub werden, da ich mit meiner Tochter allein verreise und diese nun einmal kein besonders großes Interesse an der allgemeinen politischen Lage in Tunesien hat. Ihr genügt das Meer, der Pool, leckere Melone, Pool, Strand, Meer, der Pool, Melone usw. In den Medien wurde Tunesien als Reiseziel für den Sommer lautstark als "Schnäppchen" angeboten und es wurden "Hammerpreise" versprochen. Mal abgesehen davon, dass ich diesen Ausverkauf nicht gutheiße, hoffte ich dennoch ein wenig, dass einige Unentschlossene diesen Offerten nicht widerstehen können. Der Wegfall des Tourismus (mag der Wegfall auch seine Vorzüge haben) bedeutet auch Wegbrechen von Einnahmen und DAS kann Tunesien im Moment sicher nicht brauchen. Ich buchte für Juli eine Woche Hotelurlaub in Monastir.(am Rande sei erwähnt, dass ich noch nie so viel Geld für einen Tunesienurlaub bezahlt habe - trotz Schnäppchenalarm - den Ferien sei dank). Direkt nach der Buchung ging es auch schon los... Die Saisonöffnung des Hotels wurde erst verschoben und dann plötzlich komplett abgesagt ![]() -zu wenige Touristen- Buchung es Mietwagens war nicht möglich - zu wenige Touristen- Nachdem ich schon am Vorabend meiner Reise dank der unglaublich flexiblen Mitarbeit eines großen deutschen Reiseveranstalters endlich wusste, in welches Hotel ich nun fliegen würde, konnte sich die Vorfreude ausbreiten. Die neue tunesische Freiheit ereilte uns schon in der Luft als man uns sagte, dass wegen eines Streiks der Cateringfirma nur Sandwiches ausgeteilt werden würden. Das nahm ich schmunzelnd zur Kenntnis, da ich Gott sei dank nicht wegen der kulinarischen Köstlichkeiten von TUNISAIR nach Tunesien fliege. Soweit ich mich recht erinnere flogen wir mit der "El Jem" (alle Flugzeuge der TUNISAIR tragen Namen tunesischer Städte). Wir saßen hinter eine tunesischen Familie, die sehr gut deutsch sprach und es ergab sich zwischen mir und der Frau eine kurzes Gespräch. Sie fragte mich, ob ich das erste Mal nach Tunesien reise. Ich sagte "Ja, das erste Mal nach Ben Ali". Wir lachten und sie fragte, warum ich ausgerechnet jetzt fliege. Ich antwortete, dass ich nach dem Motto "jetzt erst Recht" gebucht hatte. Sie sagte darauf: "Danke!" Ich war baff. Ein rührender Moment. Hat sich bei Ihnen schon einmal jemand dafür bedankt, dass sie sein Heimatland bereisen (also abgesehen von dem Moment, in welchen sie Trinkgeld verteilen) ? Bei der Landung "the same procedure as every year" ... Tränen ! Wir landeten zum ersten Mal in Enfidha und ich war neugierig, wie der neue Flughafen von innen aussieht. Ich war im letzten Jahr schon einmal dort, hatte jedoch nur einen kurzen Blick hineingeworfen.. die "Langoliers-Stimmung" war mir unheimlich. Einer der vielen Nachteile des neuen Flughafens ist, dass der Moment des Aussteigens aus dem Flugzeug keine Sturzflut an olfaktorischen Erinnerungen mehr mit sich bringt, da alle Flieger an den sog. "Fingern" geparkt werden. Durch diesen eisgekühlten Gang erreichten wir nach längerem Marsch dann die riesige Halle, in welcher die Passkontrollen stattfinden. Unzählige Glaskästen sind dort nebeneinander aufgereiht, 3 waren besetzt. Unser Flieger war wohl der einzige, der in den letzten und nächsten Stunden gelandet ist. ... Langoliers... Noch nie war ich so schnell durch eine Passkontrolle gerauscht. Bildete ich mir das ein oder hat der Beamte tatsächlich gelächelt ? Na gut vielleicht hat er sich auch nur über seinen Kollegen amüsiert, der sich beim Versuch sein Stempelkissen nachzufüllen schwarz angemalt hatte. Weiter ging es.... der Flughafen scheint tatsächlich aus einer einzigen riesigen Halle mit unzähligen Abteilungen zu bestehen. Der Gigantismus setzte sich in der "Gepäckabholabteilung" fort. Kannte dich doch den Flughafen Monastir wie meine Westentasche fühlte ich mich nun so, als wäre ich in einem völlig fremden Land. Reihe an Reihe befanden sich in dieser Halle ebenfalls unzählige Gepäckbänder und - al hamdu´lillah - auch eine Toilette. Diese steuerte ich zielstrebig an. Dort wusste ich sofort, dass ich in Tunesien bin. Ein superneuer, hochmoderner Flughafen, ein wirklich schön dekorierter, ebenfalls sehr moderner und vor allem sauberer Toilettenraum und an den Waschbecken steht eine tunesische Frau, die im Flieger hinter mir saß (also nicht die Danke-Frau) und raucht eine Zigarrette.. quatscht mit der Putzfrau.. und ascht auf den Waschtisch. Einen kurzen Moment freue ich mich, bin ich doch jetzt wieder sicher in Tunesien zu sein. Nach meinem wirklich dringend notwendigen Geschäft fange ich beim Händewaschen eine kurze Bröckchen-arabisch-Konversation als Auffrischung meiner Vokabeln an. Darauf raunt die rauchende Frau der Putzfrau auf arabisch zu "die ist mit einem Tunesier verheiratet".... Grmpf.. "Äh
nein" sage ich (auf deutsch) und die Frau schaut mich betreten
an. Einen Moment später hat sie sich wieder gefangen und sagt
"Das
ist gut, wirklich gut".
Erst später fällt mir ein, dass ich
in diesem Moment schon
meinen Pseudo-Ehering trug. Diesen Ring habe ich mir angeschafft, um mich möglichst schnell und erklärungsarm aus "Anbaggersituationen" befreien zu können. Er ist schlicht, aus Edelstahl mit einem Glassteinchen und hat -glaube ich - 5 Euro gekostet. Diese Anschaffung war nach meinem kleinen Wasserkocher für Tunesienreisen die wertvollste. Leider kam mir diese Idee erst 2010. Nach meiner Rückkehr an das Gepäckband holte ich aus meinem Handgepäck das vorerst wichtigste Urlaubsutensil... meine FlipFlops. Unter den stirnrunzelnden Blicken meiner Mitreisenden schnell übergestreift... aaaahhhhhh Urlaub kann beginnen. Wir kamen am Abend an und leider konnte ich keinen geöffneten Bankschalter für den Geldumtausch entdecken. Was für ein Glück, dass ich DIESES EINE MAL (w´allah) noch Dinare von meinem letzten Aufenthalt bei mir trug. Ich hatte in Münzen jedoch nur noch 3 TND dabei. Reicht gerade für den Fahrer... Die Taschen kamen schnell und erwartungsgemäß wusste der Tunesier, welcher uns abholte, nichts von der kurzfristigen Umbuchung in mein Wunschhotel. Gott sei dank hatte ich mir den Hotelvoucher, welcher mir erst am Vorabend per Mail gesendet worden war, ausgedruckt. Erstaunlicherweise waren wir wohl die einzigen Touristen, die Richtung Monastir gefahren wurden, da wir einen Kleinbus und seinen Fahrer für uns allein hatten. ![]() O.k. ab nach draußen... Ja.... da war er.. der Tunesienduft. Die Sonne war gerade erst untergegangen und die Luft warm und feucht. Linker Hand die Berge rechter Hand in der Ferne die flimmernden Lichter von Sousse. Meine Tochter breitet ihre Arme aus und läuft über den Vorplatz des Flughafens uns schreit dabei ganz laut "Juchuuuuuuuu". Schluchz.. Ich würde es ihr gerne gleichtun, werde aber durch einen großen Koffer, einen Trekkingrucksack und meine Tasche daran gehindert. Ich drehe mich zurück und lese: "AEROPORT HAMMAMET-ENFIDHA" ..aha ! So heißt er nun also. Ich ahnte, dass aus "Aeroport Mohammed Bouazizi" nichts wird. (auf dem Foto trägt der Flughafen noch seinen Eröffnungsnamen -das Bild ist aus dem Jahr 2010-) Wir fahren los Richtung Monastir. Auf der Autobahnauffahrt muss unser Fahrer bremsen, da direkt vor uns ein PKW wendet. Etwas später auf der gleichen Auffahrt kommt uns ein Auto entgegen. Ja, passt. "Rechne immer mit Allem!" rate ich an anderer Stelle dem interessierten Autofahrer und dieser Rat hat sich mal wieder bewahrheitet. Auf der Autobahn fallen mir Kolonnen von gleichen LKW´s mit fremden Nummerschildern auf. Unser Fahrer erklärt mir, dass seien libysche LKW, welche Waren aller Art nach Libyen transportieren. Unser Fahrer erklärte mir, dass Libyen zwar das Geld aber kaum Handelswaren besitzt. So kauft die libysche Regierung die Waren im Nachbarland.. und erhöht auf diese Weise zusätzlich die Preise. Vor der "Revolution" in Tunesien und Libyen kostete ein Kilogramm Hühnchen 3 TND. Jetzt kostet ein Kilo 8 TND, Libyer bezahlen 24 TND. Natürlich weiß ich, wie Angebot und Nachfrage den Preis gestalten.. und doch frage ich mich, wer diese 24 TND/Kilo bekommt. Wir unterhalten uns noch ein wenig.. endlich das worauf ich mich so gefreut habe. Freies Sprechen. Sehr sehr angenehm. Ich erfahre zum ersten Mal, wie wenige Touristen tatsächlich im Moment (Juli = Hochsaison) da sind. Erschreckend wenig. Ich lasse Sousse an mir vorbeiziehen, inhaliere die Luft, das Straßenleben. Eine neue Tankstelle auf dem Weg nach Monastir. Ankunft im Hotel. Mir kam auf der Fahrt eine eigenartige Idee. Wie wäre es wohl, wenn ich einmal nicht versuche jedem Touristen-Nepp auszuweichen ? Auch in einem AI-Hotel reichlich Trinkgeld verteile, Touristentaxipreise bezahle, Kamelausflüge mache.... ach neeee, die lasse ich trotzdem aus. Also kurz gefasst, einfach meinen kleinen Anteil leiste, der zwar nicht das gesamte Land weit nach vorne bringt, aber dennoch einen bescheidenen Beitrag zum Wiederaufb... nein das ist Quatsch, eher eine Art "Schuldabtrag", Hilfe oder Zeichen guten Willens. In jenem Moment im Shuttle-Bus fand ich die Idee großartig, dann fiel mir wieder ein, dass ich genau 3 TND in Münzen dabei habe. Diese gab ich nach Ankunft in unserem Hotel dem Fahrer. Dunkel war es inzwischen geworden, wir beide ziemlich k.o. und erschöpft. Um weiteren unangenehmen Überraschungen vorzubeugen überreichte ich dem Rezeptionisten zusammen mit meinem ausgefüllten Check-In-Formular einen 10-TND-Schein und der freundlichen Bitte nach einem guten Zimmer. ![]() Er schickte uns direkt zum Abendessen, das in 15 Minuten endete. Da ich den ganzen Tag über vor lauter Aufregung kaum etwas gegessen hatte, nahm ich dieses Angebot gern an. Kaum im Außenbereich des Restaurants angekommen, fielen wir auch direkt einem Kellner ins Auge, der uns den Rest des Urlaubes in Konkurrenz zu seinem Kollegen noch ziemlich beharrlich auf die Nerven gehen sollte. Nett und freundlich deckte er uns einen Tisch ein und nahm mir das Versprechen ab, morgen zum Mittag wieder in "seinem Revier" zu speisen. Das Essen war köstlich... ein Traum. Das Celtia war der flüssig gewordene Himmel auf Erden. Nach dem Essen gingen wir an den Strand, konnten es doch kaum erwarten, unsere Füße ins Wasser zu tauchen. Obwohl, oder gerade weil ich am Meer lebe fühle ich mich nie richtig angekommen, bevor ich keinen Kontakt zum salzigen Nass hatte. Meine Tochter widerholte ihren Willkommensgruß und lief mit weit ausgebreiteten Armen am Strand entlang und rief "Jipppppiiieeeh wir sind in Tunesiiiiiiieeeeen!" Wirklich ein rührender Moment wie das kleine Monster Sandwolken unter den Füßen aufwirbelnd am nächtlichen Strand entlangläuft, argwöhnisch beobachtet vom Strand-Wachpersonal. Zurück zur Rezeption Koffer und Zimmerschlüssel holen. Ein Page wurde gebeten, uns die Koffer zum Zimmer zu bringen. Ich erkannte ihn, er arbeitete früher ins unserem Stammhotel. Als ich ihm das auf den Kopf zusagte, schaute er erstaunt wohl überrascht, dass auch Mitarbeiter, die "nur" den Boden wischen, nicht unbemerkt bleiben. Während wir zum Zimmer gehen fällt mir auf, dass ich kein Kleingeld mehr habe. Peinlicher Moment im Zimmer... und dann mein Versprechen, dass er sein Trinkgeld bekommt. (eingelöst habe ich es 2 Tage später). Der nächste Tag begann mit einer ausführlichen Pool-und-Meer-Baderunde für uns beide. Meine Tochter weckte mich mitten in der Nacht (7.00 Uhr früh) weil sie so aufgeregt war. Auf dem Gelände des Hotels waren nur wenige Gäste. Der Eindruck täuschte leider, wie wir wenig später feststellen konnten. Die obligatorischen Revier-Verteidungs-Handtücher hatte ich irgendwie übersehen. Das kann im Übrigen keine ur-deutsche Macke sein, da in der gesamten Woche insgesamt nur ca. 11 Deutsche im Hotel zu Gast waren (an dieser Stelle einen wirklich lieben Gruß an die Mädels B+A und N+L !!). Doch gegen Mittag wurde der Drang, in die Stadt zu fahren, unbändig. Dieser Wunsch wurde von meiner Tochter mit einem genervten Augenrollen quittiert und auch die Tatsache, dass Mama doch gaaaaaanz dringend Milch für ihren Kaffee braucht überzeugte sie nicht. Erst als ich mit Keksen und anderen Leckereien lockte, fiel ihr Widerstand in sich zusammen. Nach der Siesta gingen wir also vor das Hotel und wie erwartet standen dort mehrere Taxis. Ich wollte nur mal eben nach Monastir. Der erste Fahrer wollte 12 TND.. o.k. jaaaa ich habe mir vorgenommen Touristenpreise zu zahlen, aber kaufen wollte ich das Auto nicht. Nach zähen Verhandlungen erklärte sich ein älterer Fahrer bereits, uns für 8 TND in die Stadt zu fahren, was immernoch deutlich ein Touristen- oder anders... Wucherpreis ist. Leider fuhren wir nicht an der Meeresstraße, sondern durch die Stadt zur Medina. Konzentriert hielt ich Ausschau nach Veränderungen.. irgendwas musste doch anders sein. Man musste doch sehen können, was Unglaubliches hier passiert war. ![]() Natürlich fallen sofort die fehlenden Ben-Ali-Riesenposter auf. Dazu an jeder Ecke überstrichene Graffiti.. und.. im Adam-Park ein abgebranntes Büdchen. Ansonsten sehen die Karussells eher super-neu aus. Vielleicht, weil sie zerstört waren ? Ich komme zu dem Schluss, dass auf den ersten Blick eigentlich alles wie immer ist. Der Taxifahrer fuhr uns bis zum Monoprix. Dort angekommen fiel mir sofort auf, dass etwas nicht stimmt. Ich hatte gelesen, dass dieser Monoprix zerstört worden war und auch jetzt noch waren die riesigen Fenster mit Holzplatten vernagelt. Der Eingansgbereich war nur provisorisch hergerichtet worden, die Bepflanzungen fehlten völlig. Innen war alles komplett neu eingerichtet und sortiert. Wie neu. Auffallend waren die wenigen Touristen, bei denen es sich fast ausnahmslos um Osteuropäer handelte. Dieser Eindruck setzte sich bei einem weiteren Bummel durch die Stadt fort. Während sonst die Stadt um diese Zeit vor kurzbehosten Touristen wimmelt, kam ich mir schon fast verloren vor zwischen all den Einheimischen. Wir erstehen 2 Jasminsträuschen... ich gebe 2 TND und -oh Wunder-, niemand beschwert sich. Wir tranken noch einen einen Tee in unserem Stammhaus und ich ließ die Atmosphäre wirken. Alles wie immer, nur eben ohne Touristen.. und das in der Hochsaison ! Da ich noch etwas vergessen hatte, stürmten wir im Anschluss noch den Magazin General.. um beim Ausgang und nach der dort obligatorischen Spende an die Bettlerinnen festzustellen, dass ich nur noch 6 TND in der Tasche habe. Mist! Während dieser Betrag üblicherweise mehr als ausreicht um mit dem Taxi auch wieder zurückzufahren war ich mir in diesem speziellen Urlaub nicht sicher. Ich steuerte zielsicher einen Taxifahrer an.. das übliche Geplapper... ich sagte ich möchte für 6 TND zum Hotel, er schaut mich an, grinst und sagt .. " 10!" *schluck*. Nachdem ich ihm all mein Restgeld vor die Nase hielt wies er uns zähneknirschend an, einzusteigen. Er beschwerte sich noch lautstark bei seinem Kumpel über den Preis, stieg dann aber auch ein und wir fuhren los. Er wollte mir zum Beweis des tatsächlichen Fahrpreises das Taxameter präsentieren, wies darauf hin, dass er nicht mit den Tag/Nachttarif betrügt (1= Tag, 2= Nacht). Wir fuhren los und kamen ins Plaudern. Er erklärte mir, dass 6 TND ein üblicher Preis ist normalerweise (jaaa, ich weiß). Dieser Preis ist aber im Moment nicht zu halten. Früher, sagte er, habe er 12 Kunden nachmittags gehabt. "Keine Problema 6 Dinarr". Aber nun freue er sich, wenn er 2 oder 3 Kunden habe.. und muss mehr verlangen. Ich erklärte ihm wiederum, dass ich das sehr gut verstehe, aber doch auch nicht mehr Geld verdiene als sonst. Nachdenkende Stille im Auto. Er erzählt mir, dass die Revolution für ihn keine Vorteile gebracht hat bis jetzt. Er hätte keine Zeit gehabt zum demonstrieren, müsste arbeiten. "Demonstrieren und zerstören tun die, die keine Arbeit haben. Hatten sie vorher nicht und nun auch nicht. Es gibt 2 Sorten von Menschen hier in Tunesien: die, die arbeiten wollen und die, die nichts tun wollen und sich trotzdem alles kaufen möchten". Ich erkläre ihm, dass es diese beiden Sorten auch in Deutschland gibt und wir lachen. Er sagt mir, dass er eigentlich Diplomingenieur ist, da er aber keine Arbeit fände, nun Taxi fährt und verrät mir ein Sprichwort: "Sage mir nicht, wer dein Vater ist, zeige mir, wer du bist" und will andeuten, dass früher eine Menge Leute nur deshalb einen Job bekamen, weil sie der Sohn, Neffe, Bruder etc. von jemandem waren. Er hofft, dass sich wenigstens das jetzt ändert. Der Taxifahrer fragt mich, ob ich im Urlaub noch einmal Taxi fahren will und ich sage ihm, dass ich noch nach Sousse möchte. Wir verabreden uns für Sonntag und ich verspreche ihm 12 TND für die Fahrt. Ein Blick auf das Taxameter... 5.800 TND. Ein Grinsen kann ich mir nicht verkneifen. ![]() Im Zimmer angekommen, packen wir unsere Schätze aus und lassen uns von der Klimaanlage abkühlen. Ich stelle fest, dass meine 3 Brocken arabisch manchmal auch weniger hilfreich sein können. Beispiel Putzfrau: Sie hat mitbekommen, dass ich immer arabisch grüße. Wir liegen mittags faul im Bett und sie betritt das Zimmer.. erst die üblichen Floskeln, dann plappert sie munter drauflos. Ich nicke und lächle freundlich. Sie geht, und kommt 5 Minuten später wieder mit einer Flasche Wasser in der Hand, stellt diese in unsere Minibar (was ein kleiner Kühlschrank ist, der uns nach Bestellung geliefert wurde) und geht wieder -bisslema-. Meine Tochter schaut mich an und fragt, was die Putzfrau gesagt hat. Ich muss ihr leider gestehen, dass ich kein Wort verstanden habe und wir rätseln 2 Tage lang, was es mit der Wasserflasche auf sich hat. Dann finden wir heraus, dass es ihre ist und sie die nur bei uns kühlgeparkt hat. Aha! Manchmal ist es vielleicht doch besser "Nix verstehen, Tourist" zu sagen. Abends stellte sich heraus, dass der Mittagskellner auch abends arbeitet... da arbeitet aber der Frühstückskellner auch. Beiden hatte ich versprochen an ihrem Tisch zu sitzen. Beide buhlen dauerlächelnd und zu meinem Leidwesen nicht nur um meine Trinkgeldgunst (am letzten Tag drückte ich einfach jedem von beiden die gleiche Summe in die Hand.. basta!). Nun gut, ich entscheide mich für den einen Tick unaufdringlicheren älteren Herren und wir speisen gar fürstlich zu Abend. Wir sitzen wie immer auf der Terrasse und der abendliche Wind bringt ein wenig Abkühlung. Wir lassen die Kinderdisco aus . "..das ist doch nur was für Babys *augenroll*".. und sehen uns die Show an, fallen danach todmüde ins Bett. Der nächste Tag vergeht ereignislos am Pool und am Meer. Einfach nur Urlaub genießen. Nachdem auch der Strandmann (wie sonst übersetzt man "Plagiste") seine Fühler nach mir ausgestreckt hat, muss ich meiner Tochter die Frage beantworten: "Mama, warum sind hier eigentlich alle Männer so schmeichelhaft?". Sie benutzte tatsächlich dieses Wort! Heute in der Maus: B wie Bezness... örks. Meine oberflächliche Erklärung scheint ausreichend zu sein. Immer wenn mich danach einer ungeachtet meiner Tochter nach einem Strandspaziergang fragt, geht sie einfach weiter. Auch hier ist der Ring sehr hilfreich, ich nutze allerdings die Tatsache, dass auch der Strandmann selbst Handtücher auslegt. Immer beste Plätze bis zum Ende des Urlaubs ! Wir buchen außerdem meine erste Touristensammelgruppenbusfahrt. Es soll in den Friguia-Park gehen. Sowohl meine Tochter, als auch ich waren zwar schon 2x dort. Allerdings machte ich den Fehler meiner Tochter von der neuen Delphin-Show zu berichten und als kindergerechten Ausgleich für meinen geplanten Katamaran-Trip buchten wir also auch etwas für sie. 95 TND ! Ich verkneife mir bewusst im Kopf nachzurechnen, wie viel weniger wir für den Trip bezahlt hätten, wären wir selbst gefahren. Schon am nächsten Tag um 8.00 Uhr soll es losgehen. ![]() Am nächsten Tag steigen wir um selbige Zeit in den mit nur einer Handvoll Touristen besetzten Bus. Es sollten auch nur noch 4 Personen dazukommen. Mir sollte es recht sein, haben wir beide einen Fensterplatz. Der Busfahrer verpasst wegen akuten Quatschens die Abfahrt und wir nehmen nach die nächste. Das bedeutet, dass wir durch kleine Ortschaften gondeln.. was sehr beschaulich ist, wenn man nicht selbst fahren muss. Im Park angekommen, kauft der Expeditionsleiter unsere Tickets und weist uns an, 1,5 Stunden später wieder am Ausgang zu sein, weil dann die Delphinshow beginnt. 90 Minuten sind nicht viel für den Park, ich bin froh, dass wir eigentlich schon alles gesehen haben. Es ist irre heiß und ich bedanke mich mal wieder gefühlte 1000 Mal bei dem Menschen, der die vielen Schattenplätze in diesem Park erfand. Wie immer Giraffen, Elefanten, dösende Raubtiere, Gazellen .. und doch knipsen wir sie wieder. Dann endlich geht es in den vom Park abgetrennten Delphinariumteil. Sehr modern, wie ein Amphitheater aufgebaut mit (Gott sei dank) einem riesiegn Sonnensegel überspannt. Insgesamt gibt es 4 Becken davon sind 3 winzig klein. Es
dürfen nur 3 Delphine mitspielen, die anderen sind
während
der Show in 2 kleine Becken eingesperrt und haben ganz offenbar zu
wenig Platz, denn sie rangeln sich die ganze Zeit über.Ich mag Delphine sehr... in freier Natur. Dieser Anblick hier jedoch treibt mir die Tränen in die Augen. Sie müssen, wie überall auf der Welt, Kunststückchen über sich ergehen lassen. Die ganze Zeit über donnert ohrenbetäubender Lärm aus den großen Musikboxen. Bevor die Show losgeht stecken die 3 Delphine immer wieder den Kopf aus dem Becken um sehen zu können, was vor sich geht. Ich habe nichts anderes erwartet. Am Ende der Show sagt mir meine Tochter, dass sie auch nie wieder eine Delphinshow betreten wird. Sehr gut! Als wir wieder im Bus sitzen fällt mir ein, warum ich noch nie eine Bustour mitgemacht habe. Die Mitreisenden! Wir warten eine geschlagene halbe Stunde auf ein Pärchen, das im falschen Bus wiederum auf uns wartete. Insgesamt waren wir 12 Ausflügler und im Park waren mehr tunesische als europäische Besucher anzutreffen. Die katastrophalen Folgen des Einbruchs im Tourismussektor wird Tunesien wohl teuer zu stehen kommen, grübele ich auf der Rückfahrt nach. Dennoch genieße ich die touristenleere Landschaft sehr. Am Ende werden alle an ihren Hotels abgesetzt. der Busfahrer, der seit der Panne mit der verpassten Abfahrt irgendwie schlechte Laune hat, verabschiedet sich nicht einmal von uns letzten Passagieren, sondern springt noch vor uns aus dem Bus um auf der anderen Seite irgendetwas nachzusehen. Ich gehe ihm nach, gebe trotzdem Trinkgeld. Ein "Danke" schafft er zu brubbeln. Der
nächste Tag vergeht im Rausch zwischen Pool, Meer, Essen,
Siesta, Meer, Pool.Highlight des Tages... wir fischen eine "total antike" Schale aus dem Meer und beobachten unter Wasser einen riesigen Schwarm kleiner Fische direkt um uns herum. Dann endlich... Sousse. Die Verabredung um 16.00 Uhr. Heute ist es besonders heiß und soll auch weiterhin so bleiben verriet mir ein Blick ins Internet im hoteleigenen Interneteckchen. Die Luft ist wirklich drückend heiß. Wir warten vor dem Hotel und müssen unendlich viele Taxen ablehnen. Ich bin froh, aufmerksamer Beobachter gewesen zu sein, so dass dies nun mit einem Fingerzeig klappt. Dann endlich unter lautem Gehupe rauscht unser Taxifahrer heran. Hinten im Fond hat er schon 2 Fahrgäste, die, wie sich herausstellt, russische Staatsbürger sind. Es ergibt sich eine jener von mir so geliebten gestikulierenden Sprach-Kuddelmuddels. Die Russen sprechen kein englisch, kein französisch, ER jedoch italienisch. Der Taxifahrer spricht alles und ich englisch, in Brocken französisch und arabisch und wie sich herausstellt in noch kleineren Brocken russisch. Meine letzte Russisch-Unterrichtsstunde ist ca. 15 Jahre her. Ich entschuldige mich an dieser Stelle bei meinen beiden ehemaligen Russischlehrern Frau S. und Herrn P. dafür, dass scheinbar absolut nichts hängengeblieben ist, was ich an dieser Stelle benötigt hätte. Doch halt.. die fehlerfreie Deklination des Wortes für "Karte" konnte ich herunterbeten, was zu einigem Befremden in den russischen Gesichtern führte. Als der Taxifahrer nach meinem Namen fragte ahnte ich schon vorher was passieren würde. Als ich "Nadja" sagte, juchzten sowohl er, als auch die Russen auf und beide behaupteten wir erwartet, der Name käme aus ihrem jeweiligen Land. Skurriler Moment.. haben doch beide Recht. Im Russischen bedeutet der Name "Hoffnung" und im Arabischen "Anfang". Als die beiden Russen ausstiegen fiel mir nicht einmal "Auf Wiedersehen" ein.. oh man wie peinlich. Ja ja, nun weiß ich es auch: до свидания (-do swidanija- für unsere westdeutschen Leser). Während der Fahrt klingelt das Telefon des Fahrers und er erklärt mir nach Ende des Gespräches, dass dieses eine Stammkundin war, welche sich von ihm immer zum einkaufen fahren lässt. Er tut das gern, zahlt sie doch "samahni" (Entschuldigung) Touristenpreise, Wir lachen und am Ende der Fahrt bekommt er zusätzlich zum vereinbarten Preis ein sattes Trinkgeld. In Sousse angekommen.. Markt. Alle Tunesier scheinen wieder aus ihren Häusern gekommen zu sein. Ich brauche erstmal Geld. Mir wird der Weg zu einem Automaten gewiesen und das Abheben gestaltet sich problemlos. Noch mit den Scheinen in der Hand drehe ich mich um und direkt hinter uns steht ein Kettenverkäufer, der, noch ehe ich reagieren kann, meiner Tochter 2 Ketten um den Hals gelegt hat. Absolut minderwertige Qualität. Meine Tochter schaut mich bettelnd an und ich gebe mangels Kleingeld dem Händler 10 TND. Als er diese einsteckt will er sich verabschieden. Ich muss erst energisch werden, bevor er mir 6 TND zurückgibt. Dafür, dass ich diese kostbaren Ketten so billig erstanden habe, "schenkt" er mir zum Abschied direkt noch eine. Ich stecke sie grummelnd ein. Wir bummeln über den Markt und erstehen alles, was ich an Mitbringseln und Bestellungen kaufen muss und anschließend gibt es mein geliebtes Chapati. Mein "ich möchte ein Chapati deutsch-scharf" auf arabisch ringt den Umstehenden ein Lachen ab. Meine Tochter mault inzwischen, gehen ihr die lautstarken Rufe der Marktschreier auf die Nerven. Nein, essen will sie nichts! Wir setzen uns auf eine kleine Steinmauer und ich genieße das gefüllte Pfannenbrot... hmmmm lecker. ![]() Urplötzlich taucht ein Mann vor uns auf und erzählt uns er sei Koch in unserem Hotel und möchte uns was zeigen. Ja klar! Deeeeen Trick kenne ich und frage üblicherweise in welchem Hotel wir wohl wohnen. Da ich wie immer mein Armband bei Verlassen des Hotels abgenommen habe, könnte dieses ihn auch nicht retten. Da ich mir aber vorgenommen habe, ein richtiger, ordentlicher Tourist zu sein, gehe ich darauf ein und frage wohin wir gehen sollen. Er erzählt etwas von "Berber-Silber-Festival" und einen hektischen Marsch später sitzen wir in einem stinknormalen Schmuckladen. Man bietet uns Cola und Wasser und wir schauen uns die Schmuckstücke an. Es sind wirklich wunderschöne, sehr gute Stücke dabei. Wir verlieben uns in Kettenanhänger aus Bruchstein.. sie schimmern grün/blau. Eine kleine Khomsa jeweils fürs Töchterlein und deren Freundin, einen rechteckigen Anhänger für mich, dazu 3 Ketten und 2 Khomsa-Ohrhänger. Alles Silber. Die Preisverhandlungen... Ich hasse Handeln. Das 12. Mal in Tunesien, doch daran kann ich mich nicht gewöhnen. Ich habe kein Pokerface... ich kann es einfach nicht. So, weil ich ja eine "Halbtunesierin" bin und so toll arabisch spreche, gibt er mir alles zusammen für nur 350 TND. Natüüüüürlich. Ich biete 100. Er sagt.. "Na gut, 320" Ich biete 100 Er sagt "280" Ich biete 100 So geht es eine ganze Weile. Bei 120 TND komme ich ihm auf 105 entgegen, mein letztes Wort. Im Kopf schnell überschlagen komme ich auf ca. 60 EUR. Ein (wie ich finde) guter Preis für so viele wirklich tolle Stücke. Handschlag, Danke, Bisslema. Unser "Koch" sieht nicht glücklich aus. Ich unterdrücke einen Mitleids-Impuls. Hätte der Preis gar nicht gepasst, hätten sie mich hinausgeworfen. Insofern wird schon jemand verdient haben. Wieder auf der Straße drängt es meine Tochter nach Hause. Die Sonne geht schon unter. Da es hier kaum Dämmerung gibt, wird es in Kürze stockfinster sein.Wir rufen ein Taxi und mit Zwischenlandung im Monoprix für die letzten Kleinigkeiten (auch dieser Monoprix hat keine Fenster mehr) landen wir wieder im Hotel. Auf dem Weg zurück, Autofenster wegen akuter Hitze heruntergekurbelt. Heiße Luft, so als hätte ich mir einen Fön ins Gesicht gehalten. Im Hotel erfahren wir, dass der Tag 46 °C im Gepäck hatte und das kommt der gefühlten Temperatur schon ziemlich nahe. Ich habe Angst um meinen Katamaran-Trip denn bei dieser Gluthitze werden wir uns wohl kaum 2 Stunden in die knallige Bratsonne setzen. Genau so vergehen auch die nächsten beiden Tage. Immer in Wassernähe und trotzdem zu heiß. Feuchte Tüchter trocknen in Rekordzeit und wir verbringen viele Stunden im Zimmer, weil man es über die Mittagszeit ohne Klimaanlage kaum aushält. Am letzten Urlaubstag bleibt auch noch der Wind weg. Feuchte Hitze den ganzen Tag. Am Abend Beachparty.. drückend schwül. Selbst in der Nacht sinkt die Temperatur nur knapp unter 30°C. Es ist leider wirklich unerträglich und ich beschließe, dass ich definitiv zum ersten und letzten Mal im Hochsommer in Tunesien war. Die Katamaranfahrt ist am Ende dann doch tatsächlich ausgefallen, da wir angesichts der Temperaturen nur zu den nötigsten Bewegungen fähig waren. Das wird beim nächsten Mal
nachgeholt.Am Tag unserer Abreise fahren wir zum ersten Mal mit einem lachenden und einem weinenden Auge zum Flughafen. Tieftraurig wie immer, aber auch ein bisschen glücklich dem Höllenschlund entkommen zu können. Alles in allem war es wie immer ein schöner Urlaub, denn ich war in Tunesien ;-) Wäre ich vorher noch nie in Tunesien gewesen und hätte ich von der Revolution nichts mitbekommen, so wäre mir eher nichts Besonderes aufgefallen. Vergessen darf man aber nicht, dass ich eine Woche puren Hotelurlaub hatte, ohne Rundreisen, ohne große Ausflüge. Die Touristenarmut war dann doch mehr als deutlich fühlbar. Geschlossene Hotels, wenig Personal, geschlossene Touri-Läden, wenig Busverkehr. Es bleibt zu hoffen, dass Tunesien sich von dem wirtschaftlichen Schaden, den die Revolution versursacht hat, schnellstmöglich erholen wird. Die Prognose dafür wage ich jedoch nicht vor der Wahl im Oktober 2011. Nadja, im September 2011 |