Alte Steine

Alte Steine

Tunesien ist eine Schatzkammer für alle archäologisch Interessierten.
Bis zum heutigen Tag sind noch nicht alle Ruinen entdeckt und ausgegraben. Im Golf von Hammamet ist erst im Herbst des Jahres 2017 die antike Stadt Neapolis entdeckt worden.
An der Küste Mahdias werden nach schweren Stürmen immer wieder neue Überreste römischer Kultur entdeckt, wie beispielsweise im Jahr 2010 ein römischer Friedhof.
Ich habe hier nur die wichtigsten Ausgrabungsstätten und Sehenswürdigkeiten zusammengetragen.
Hältst du die Augen auf, entdeckst du in Tunesien noch viel mehr!

Für die Besichtigung der Sehenswürdigkeiten empfehle ich das Tragen von festem Schuhwerk. Kulturschätze sind in Tunesien zuweilen touristisch nicht so aufbereitet, wie wir es aus Europa gewohnt sind. Das hat natürlich zum einen den Vorteil, dass man Archäologie hautnah erleben darf, aber andererseits den Nachteil, dass einige Ruinen nicht durch Abstandszäune etc. gesichert sind. Herumkraxeln in bröseligem, altem Gestein ist auf Dauer für die Füße vielleicht besser in Sport- oder Wanderschuhen als in Flipflops.

Wenn möglich, such dir einen Tag aus, an dem der Himmel zumindest teilweise bewölkt ist. Anderenfalls solltest du dich mit ausreichend Sonnenschutz eindecken und unbedingt eine Kopfbedeckung tragen. Viele der Areale sind sehr weitläufig und oft schattenlos. Nimm auch unbedingt ausreichend Wasser mit, gerade im Sommer wirst du es brauchen!

Ich entschuldige mich schon jetzt dafür, dass dieser folgende Teil von “mein Tunesien” nicht so umfangreich und leidenschaftlich formuliert ist, aber ich selbst bin, trotz guter Gene, kein wirklich großer Archäologie-Fan.

Auf der Karte kannst du dir einen Überblick über die Lage der einzelnen Sehenswürdigkeiten verschaffen. Darunter befinden sich weitere Informationen alphabetisch sortiert.

 

Bardo-Museum

Als Alte-Steine-Fan solltest du unbedingt, vielleicht sogar vor dem Besuch der einzelnen Stätten, einen Abstecher nach Tunis machen.
Die größten archäologischen Schätze Tunesiens findet man in im Bardo Museum. Die wertvollsten Gegenstände aller Ausgrabungsorte wurden hier zusammengetragen.
Das Museum befindet sich im ehemaligen Bey-Palast und beherbergt die prachtvollsten Mosaiken Tunesiens.
Vorab kann man hier ein bisschen Museumsluft schnuppern.

Bulla Regia

 

Ist wie alle anderen Ausgrabungsorte ein Paradies für Tote-Steine-Fans.
Die Stadt phönizischen Ursprungs liegt malerisch in sanfte Hügel eingebettet.
Durch Handel wurde Bulla Regia nach der Eroberung Roms zu einer der reichsten Städte in Afrikas römischen Gebiet.
Der Untergang kam ebenso wie bei den meisten anderen Städten mit dem Einfall der Araber.

 

 

 

Dougga/Thugga

Der tunesische Ort Dougga im Norden Tunesiens ist die direkte Nachfolgesiedlung der numidisch-römischen Stadt Thugga. 

Thugga gehört zu den schönsten  Ausgrabungsstätten Tunesiens und ist seit 1997 Teil des Weltkulturerbes der UNESCO.
Vermutlich wurde der Ort im 5.-6. Jahrhundert v. Chr. gegründet.
Vorrömische Spuren lassen sich bis ca. 2 Jahrhunderte v. Chr. zurückdatieren. Dazu gehört beispielsweise Pfeilergrabmal, das berühmt ist für seine zweisprachigen Inschriften aus der Zeit der Numiden.
Im Jahr 46 v. Chr. wurde Thugga Teil des Römischen Reiches.
Nach der Blütezeit im 3. Jahrhundert verlor Thugga immer weiter an Bedeutung, wurde später von den Vandalen und Byzantinern besetzt.
Mit den Arabern wurde aus der ehemaligen römischen Kolonie ein unbedeutendes Dorf, deren Bewohner in der Mitte des 20. Jahrhunderts in den Ort Dougga umgesiedelt wurden.
 
El Djem - Amphitheater

Das 20.000 Einwohner fassende El Jem wurde auf den Ruinen der Stadt Thysdrus erbaut und scheint heute eine Stadt zu sein, die um ein Amphitheater herum gebaut wurde.
Das 36 Meter hohe, schon von Weitem sichtbare Theater ist das drittgrößte noch erhaltene seiner Art im ehemaligen Römischen Reich. Es wurde im Jahr 238 erbaut, niemals vollendet und fasste ca. 35.000 Zuschauer.
Auch heute noch wird das Theater für Aufführungen genutzt. Seit 1979 gehört es zum Weltkulturerbe.
Nicht weit entfernt vom Amphitheater befindet sich außerdem ein archäologisches Museum.
Die im Jahr 46 v. Chr. von Cäsar gegründete Stadt wurde zu jener Zeit Thysdrus genannt. Die Stadt wurde reich durch den Handel mit Olivenöl und die Gegend um die Stadt war das wichtigste Olivenanbaugebiet Nordafrikas.
Auf dem Höhepunkt der Entwicklung wurde mit dem Bau des noch heute weithin sichtbaren Amphitheaters begonnen. Doch schon kurze Zeit später wurde die Olivenölsteuer wieder eingeführt, was zu blutigen Aufständen, der Plünderung der Stadt und damit zu ihrem Niedergang führte.
El Djem war im Kampf gegen die Araber die letzte Bastion der Berber. Bei einem Angriff der Araber ließ der Bey die Nordwestseite des Theaters sprengen, da sich einige Berber in das Innere geflüchtet und verschanzt hatten.

Karthago

 

Karthago ist nicht nur der Name einer antiken Metropole, sondern auch gleichzeitig ein Vorort von Tunis, wo sich auch der Palast des ehemaligen tunesischen Präsidenten befindet.

Die mit großem Abstand berühmteste (aber nicht schönste) aller archäologischen Stätten Tunesiens liegt nur wenige Metro-Stationen (Station “Carthage Hannibal”) vom Zentrum der Hauptstadt Tunis entfernt.
Die Geschichte Karthagos wird hier erschöpfend erzählt, so dass ich mir weitere Ausführungen dazu an dieser Stelle erspare.
Die weit verstreut auf einem riesigen Areal verteilten Überreste der Metropole wurden 1857 entdeckt und die Ausgrabungen sind bis heute noch nicht vollständig abgeschlossen.
Plane also für eine Besichtigung viel Zeit und bequeme Schuhe ein.
Wer sich nicht unbedingt nur Ruinen ansehen möchte, kann die herrliche Aussicht genießen, denn Karthago liegt hübsch eingebettet in die Villen und Gärten der Vorortbewohner mit Ausblick auf den Golf von Tunis.

 

 

Kerkouane

 

Kerkouane wurde wahrscheinlich um 4. oder 3. Jahrhundert v. Chr. gegründet, wobei es auch Hinweise auf eine frühere Berberansiedlung gibt. Diese archäologisch einzigartige Stätte liegt auf der Halbinsel Cap Bon und ist Teil des Weltkulturerbes der UNESCO.

Die Stadt wurde nach ihrer Zerstörung (vermutlich während des ersten Punischen Krieges) nie wieder aufgebaut und gilt damit als einzige noch erhaltene punische Stadt.

Sehr interessant sind die gut erhaltene städtische Struktur, sowie Baderäume einzelner Häuser. Es gibt dort ein wunderschönes Mosaik zu Ehren der Göttin Tanit, der punischen Göttin der Fruchtbarkeit. Ebenfalls zu sehen sind Teile der damaligen Handwerkskultur, beispielsweise eine Töpferei.

Makthar

 

Geografisch gesehen direkt zwischen Dougga und Sbeitla, im hügeligen Bergland, liegt Makthar.
Die
Aufmerksamkeit wird jedoch nicht auf die Stadt selbst, sondern auf das Ruinenfeld der antiken Stadt Mactaris gelenkt.
Mactaris war eine der wenigen antiken Städte in Tunesien, welche den Einfall der Araber relativ schadlos überstanden hat.
Das änderte offenbar nichts an ihrem
Schicksal, denn auch Mactaris verlor seine Bedeutung und wurde bereits im 11. Jahrhundert wieder verlassen.
Die Stadt Makthar wurde erst im Jahre 1887 wieder gegründet und ist heute ein wichtiger Marktort.
Von den Numidern im 2. Jh. v. Chr. gegründet, diente die Stadt den Puniern nach der Zerstörung Karthagos als Fluchtort.
Der Einfluss der Punier nahm auch durch den Einzug der Römer im Jahr 46 v. Chr. nicht ab.
Dank der fruchtbaren Umgebung wurde Mactaris schon damals ein wichtiger Handelsort und dieser Umstand verhalf wiederum zu Wohlstand.
In der Römerzeit kam es im Jahr 238 n. Chr. zum sog. Gordianus-Aufstand, in dessen Folge Mactaris teilweise zerstört wurde.
Im 4. – 6.  Jahrhundert kamen zuerst die Vandalen und nach diesen die Byzantiner, welche die Stadt zu einer Festung ausbauten.
Nach dem  Einfall der Banu Hilal endet die Geschichte der Stadt und beginnt erst 1887 mit der Neugründung durch die Franzosen.

Sbeitla

 

Im Herzen Tunesiens, an der Straße Richtung Kasserine befinden sich die Überreste der antiken Stadt Sufetula, die vermutlich noch im 1. Jahrhundert n. Chr. gegründet wurde.
Sie gehört
zu den bedeutendsten und best erhaltenen Zeugnissen der Vergangenheit in Tunesien.
Schon von weitem erkennt man den Triumphbogen.
Sufetula war früher Municipium (unabhängige Stadt), römische Kolonie, christliche Siedlung und arabische Stadt.
Die Ausgrabungen begannen erst 1907 und sind bis heute nicht abgeschlossen.
Schätzungen besagen, dass nur ca. ein Drittel freigelegt wurde. D
ie Stadt soll früher einmal mehr als 10.000 Einwohner gehabt haben.
Das Forum gilt als das interessanteste in Nordafrika und wird durch den Antonius-Pius-Bogen betreten.
Die Tempel der Gottheiten Juno, Jupiter und Minerva sind unabhängig voneinander erbaut worden und stehen jeweils für sich, was sie von dem Tempel in Dougga unterscheidet.
Die antike Stätte ist auf mehreren Hektar verteilt, so dass Sie für eine Besichtigung mindestens 4 Stunden einplanen sollten.
Das beste Wetter für einen Besuch ist ein bedeckter Himmel, da es auf dem weitläufigen Areal kaum schattige Plätzchen gibt.

 

Uthina/Oudna

Uthina (arab. Oudna) ist der Geheimtipp unter den Ausgrabungsstätten in Tunesien. Erst Mitte der Neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts haben die Ausgrabungen begonnen.
Die ehemalige Siedlung wurde auf einem hügeligen Plateau errichtet und es ist nur wenig über die Geschichte dieses Ortes bekannt.
Fest steht wohl, dass sie die Historie Tunesiens teilt. Uthina ist berberischen Ursprunges und hatte seine Blütezeit, wie viele andere Orte in Tunesien auch, in der Zeit des römischen Imperiums.
Niedergang und Verfall begannen mit der arabischen Eroberung etwa im siebten Jahrhundert.
Die Ausdehnung dieses wunderschönen archäologischen Kleinods ist riesig.
Restauriert wurden bisher ein hier absolut unerwartet großes Amphitheater, das Kapitol, die Thermen und viele Mosaiken, von denen ein großer Teil im Bardo-Museum in Tunis ausgestellt wird.

Eine tolle Dokumentation darüber, die Uthina wohl einst ausgesehen hat, kannst du dir hier ansehen (leider nur in französischer Sprache).

Wassertempel Zaghouan

 

 

Der Wassertempel bei Zaghouan ist ein Nymphenheiligtum (Nymphäum), das über einer Quelle am Hang des Djebel Zaghouan errichtet wurde. Der Tempel stammt aus römischer Zeit (ca. 2 Jahrhundert). Das Wasser aus dieser Quelle floss über ein Aquädukt (heute zum Teil noch erhalten) bis nach Karthago und ermöglichte dort wohl die Eröffnung Antonius-Pius-Thermen im Jahr 162.

Der Tempel wurde inzwischen wunderbar restauriert und befindet sich in einer parkähnlichen Anlage.
Leider ist von den ursprünglichen Säulengängen jeweils nur noch die Außenseite erhalten geblieben. Den Mittelpunkt des Tempels bildet die so genannte Cella. Durch eine Glasscheibe kann man dort auf die Quelle blicken, die noch heute Wasser liefert. Nun allerdings über eine Druckwasserleitung unterirdisch bis nach Tunis.