Nepp

Nepp & Schlepp

Tunesien ist traditionell ein Land des Handels und des Geschäftemachens. Wenige eigene natürliche Ressourcen zwangen die Völker Nordafrikas schon in früherer Zeit clevere Verkäufer zu sein um das eigene Überleben zu sichern.
Durchaus erfahren im Umgang mit kapitalistischen Verkaufsstrategien zeigt sich der gemeine europäische Tourist zuweilen erstaunlich arglos angesichts tunesischer Geschäftspraktiken. Das schließt übrigens mich selbst auch ein 😉

Einen echten Betrug von einem cleveren Handel zu unterscheiden ist in einigen Fällen gar nicht so einfach. Manchmal fühlen wir uns betrogen, obwohl wir einfach nur schlecht gehandelt haben. Im Gegensatz dazu bemerken wir echten Betrug oft nicht einmal. Der Grund dafür ist zum einen der Gewinnoptimierungsgedanke der Tunesier und die Käufernatur von uns Mitteleuropäern.

In Deutschland fragt man nach dem Preis und bekommt ihn genannt oder er steht auf kleinen Klebezettelchen.
Diesen bezahlen wir, wenn er uns gerechtfertigt erscheint, anderenfalls verzichten wir auf den Kauf.

In Tunesien habe ich bis jetzt nur im Touristen-Souvenir-Kaufzentren und in den Supermärkten tatsächlich gültige Preisetiketten gesehen. Alle sonstigen derartigen Preishinweise sind, besonders in der Medina, lediglich die Verhandlungsbasis.
Das wissen nur die Europäer nicht, die verbindliche Preisetiketten gewohnt sind.

Ich habe auf dieser Seite alle möglichen Tricks tunesischer Einzelhändler und Serviceanbieter zusammengtragen, damit dir der eine oder andere Dinar erhalten bleibt.

Bedenke aber bitte, dass die meisten Menschen, die du in deinem Urlaub treffen wirst, von dem leben, was sie tun. Es geht hier also nicht um DAX-Unternehmen, die ihren Anlegern eine riesige Gewinnausschüttung versprochen haben, sondern um Menschen, die ihre Familie ernähren müssen. Vielleicht drückst du ja gelegentlich mal ein Auge zu.

 

Animation zum Kauf

Ein Bummel durch die Medina oder die Besichtigung einer Sehenswürdigkeit wird immer dann zum Spießrutenlaufen, wenn man ganz offenbar Tourist ist, gerade kein Mittagsschläfchen ansteht und nur wenige Einheimische unterwegs sind.

Lautstark werben die Händler um die Gunst der Kunden, wobei man “Nix kaufen, nur schauen” wohl am häufigsten hört.
Wenn man dann nicht aufpasst, gerät man -schwupps- in die Fänge der Verkaufstalente und verlässt den Laden mit einem Plüschkamel in der einen und einem Olivenholzschachspiel in der anderen Hand.
Auch wenn Souvenirs grundsätzlich für manch einen Touristen äußerst reizvoll sind, so übersteigt das Angebot an Kitsch in Tunesien doch bei weitem die Nachfrage.
Nichts kaufen zu wollen, scheint für die Verkäufer aber gelegentlich sehr abwegig zu sein, denn eine höfliche Absage endet manchmal auch mit wüsten Beschimpfungen seitens der Einzelhandelskaufleute.
Nicht selten wird man bei ignorantem Verhalten auch am Arm gepackt oder die Händler stellen sich einem provozierend in den Weg.
Leider hat diese Unsitte in all den Jahren, die ich nun Tunesien besuche, nicht nachgelassen.
So bleibt mir an dieser Stelle nichts weiter, als ein paar Tipps niederzukritzeln wobei ich natürlich keine Erfolgsgarantie gebe:

1.) Hänge dich an das ENDE einer Reisegruppe, die Händler schnappen sich dann alle Touristen vor dir und du kannst dich in Ruhe umsehen

2.) Lächle und geh weiter bei der Frage “Was kostet eine Krambole in Deutschland?”.  Wenn du nachfragst, was eine “Krambole” ist, wird man dich in den Laden zum Nachsehen einladen (-Karambole- ist übrigens nicht gemeint).

3.) Gib dich ignorant.

4.) Wenn du das nicht möchtest, lehne höflich aber bestimmt ab.

5.) Wird jemand beleidigend oder übergriffig, reagiere selbstbewusst, deutlich und vor allem so laut, dass es Umstehende mitbekommen!

6.) Kauf vielleicht doch etwas, denn die Händler müssen ganze Familien von einem Laden ernähren und haben in den letzten Jahren große Verluste hinnehmen müssen. Handele, wenn du magst, aber bitte herzlich.

7.) Geh morgens ganz früh oder abends kurz vor Sonnenuntergang in die Medina, die Stadt ist dann voll mit Einheimischen und man lässt dich als Touristen relativ in Ruhe.

8.) Nimm die lautstarken Werbemaßnahmen mit einem Lächeln hin, das ist viel entspannter als verkrampft und mit verkniffenem Gesicht durch kleine Gässchen zu stampfen.

Der Wechselgeld-Trick

Ein kleiner Junge schwatzte mir einmal auf der Straße ein Tütchen gebrannte Mandeln auf. Sie sollten 2 Dinar kosten. Ich gab ihm ein 5-Dinar-Stück, er gab mir 3 silberne Münzen zurück. Diese nahm ich, da ich davon ausging, dass es sich um 3x 1 Dinar handelte. Der Junge gab Hackengas, ich sah noch einmal nach und… siehe da… es handelte sich um 2x 1 Dinar und 1x 500 Millimes. Auf den gleichen Trick bin ich 2015 sogar noch einmal hereingefallen (siehe Reisebericht), zumindest habe ich es dort bemerkt 😉

Das du-und-ein-Tier-Foto

Du flanierst mit deiner Familie durch den winzigen Zoo in Port el Kantaoui (oder die Medina oder sonstwo) und es kommt ein “Tierpfleger” mit einem Greifvogel/Reptil o.ä. auf dem Arm zu dir. Ungebeten setzt er das arme Tier dir oder einem Familienmitglied für ein Foto auf die Schulter. Du freust dich, machst das Bild und…. der “Tierpfleger” möchte einen Dinar.

Du kannst ihm natürlich etwas geben, weil du so großzügig oder überrumpelt bist. Alternativ fängst du dich wieder und gibst nichts.

Taxi-Fahrten

Mit Taxifahrern in Tunesien kann man den Preis VOR der Fahrt aushandeln. Das macht natürlich nur Sinn, wenn man sich ein wenig mit den Entfernungen und Preisen auskennt. Grundsätzlich wirst du wahrscheinlich niemals den Einheimischen-Preis zahlen dürfen. Da fährt ein Taxifahrer lieber gar nicht, als Touristen zum Schleuderpreis zu kutschieren.
DAS ist meiner Meinung nach ja grundsätzlich auch in Ordnung, da selbst die Touristenpreise noch weit entfernt sind von Kosten in Deutschland. ABER: Pro Kilometer liegt der angemessene Preis für Touristen bei ungefähr bei 0.800 bis 1.200 TND (also 25-40 Cent). Viel mehr solltest du nicht bezahlen müssen.

Für Anfänger oder Menschen, die nicht gerne handeln, bietet sich die Fahrt nach Taxameter an. Du solltest nur darauf achten, dass bei Fahrten am Tag die “1” auf dem Taxameter eingestellt ist. “2” bedeutet nämlich Nachtfahrt und ist entsprechend teurer.

Sie-kenne-ich-doch!

Du bummelst durch die Stadt und ein erfreuter Tunesier kommt auf dich zu und erzählt dir, er sei Kellner/Koch/Animateur/Barmann/Security in deinem Hotel.
In welchem Hotel du wohnst, kann er ziemlich leicht an deinem verräterischen Armbändchen ablesen.
Dann hält Smalltalk und fragt vielleicht, wonach du suchst.
Sobald du Souvenir-Wünsche äußerst, wird er dich zu einem Freund führen wollen, der garantiert das beste Angebot hat. Natürlich kennt er dich nicht, sondern ist lediglich Schlepper für eines oder mehrere Geschäfte.

Ich selbst lasse mir Hotelarmbänder immer mit 2-Fingerbreit-Abstand anlegen, dann kann ich sie für alle Ausflüge abnehmen.

Falsche Führer

Du stehst, nach mehrstündiger Fahrt erschöpft, in einem wunderschönen Oasengarten. Schnell findet sich jemand, der dir die herrliche Gegend und die schönsten Aussichtspunkte zeigen will. Mit dem Hinweis, dass man sich über den Preis schon einigen wird rast er los. Im Eiltempo durch Schluchten, Palmenhaine, Felsen und an Bachläufen vorbei. Nach einem hektischen und bei 35°C recht atemlosen Marsch landest du wieder am Ausgangspunkt und umringt von anderen “Führern” beginnen die Preisverhandlungen.
Das Ende vom Lied… du bezahlst das 3-fache des gesamten Wochenlohnes.

Achtung! Die echten Führer können und werden sich ausweisen. Sie gehören der staatlichen Tourismusorganisation ONTT an und verlangen angemessene Preise.

Parkplatzwächter

Ähnlich wie bei den falschen Führern gibt es auch falsche Parkplatzaufseher. Sobald du dein Auto irgendwo abgestellt hast, kommt jemand vorbei und verlangt eine Gebühr, bzw. bietet dir an, dein Auto zu bewachen.
Offizielle Parkwächter zeigen dir ihren Ausweis. Alle anderen haben eigentlich keine Berechtigung zum Kassieren, bewachen aber dein Auto trotzdem zuverlässig 😉

Ich persönlich habe die paar Dinar bisher immer investiert.

Koffer-zum-Bus-Bringer

Voll mit den ersten Eindrücken auf tunesischem Boden fällt der Tourist aus dem Flughafengebäude und sucht etwas desorientiert den richtigen Weg zum Shuttle-Bus. Ein freundlicher Tunesier kommt mit einem Gepäckwagen vorbei, schnappt sich die Koffer und läuft los.
Dankbar für den Support latscht der Tourist einfach dem netten Mann hinterher.

Am Bus angekommen folgt dann die Überraschung – natürlich kostet der Transport Geld.
Wenn du diesen Service nicht wünschst, musst du schnell sein!

Preis-Überraschungen

Egal, was du zu kaufen gedenkst oder welche Dienstleistung du in Anspruch nehmen willst, frag immer vorher nach dem Preis. Ist dein Name erst in den Messingteller eingraviert, sitzt du schon auf dem Kamel oder hast die Dattel schon im Mund, ist es zu spät für Verhandlungen. Gleiches gilt für unaufgefordert gebrachte Speisen und Getränke bei verschwundener Speisekarte im Restaurant oder Café.