Sicherheit

Sicherheit

Wie sicher bin ich in Tunesien?

Diese durchaus berechtigte Frage zufriedenstellend zu beantworten ist nicht einfach. Ich vermute, deine größte Angst ist die vor Anschlägen auf westliche Touristen von fundamental-islamischen Terroristen.
Dass diese Angst nicht unbegründet ist, zeigen die Anschläge auf Djerba (2002), Tunis (2015) und Port el Kantaoui (2015) mit insgesamt 81 Todesopfern.
In der Zeit von 2002 bis heute hat es in Deutschland mehr als 10 Attentate aus den gleichen Motiven gegeben. Trotzdem fühlen wir uns in unserem Heimatland sicherer als im Urlaub in Nordafrika.
Das hat mehrere Gründe. Einserseits fühlen wir uns in einem fremden Land natürlich grundsätzlich unsicherer als zu Hause und andererseits ist Tunesien ja nicht irgendein Land, sondern ein islamisches.

Bis zum Jahr 2011 hatte Tunesien so gut wie keine Probleme mit fundamentalen Islamisten (Ausnahme Djerba 2002). Das allerdings nur, weil ein Diktator an der Macht gewesen ist, der jegliche zu islamische Lebensweise verboten hat. Vor 2011 trug in Tunesien beispielsweise kaum ein Mann einen Vollbart, weil dies als ultrareligiöses Zeichen gedeutet wurde und damit Verfolgung, Folter und Gefängnis drohten. Das Tragen des Schleiers war in öffentlichen Ämtern und z.B. als Lehrerin verboten. Der Religion wird seit dem “Arabischen Frühling” wieder mehr Platz in Tunesien eingeräumt. Aber wie in Deutschland auch ist der Preis der Freiheit, dass auch unliebsame Kräfte selbige für sich zu nutzen wissen.

Aus Tunesien kommt eine prozentual größere Gruppe an IS-Kämpfern als aus jedem anderen Land. Die Gründe dafür hat man noch nicht endgültig erforscht. Vermutlich sind es Frust und Wut über die unfertige Revolution. Letztere ermöglichte auch ein vorübergehendes Machtvakuum, das viele islamistische Eiferer für sich zu nutzen wussten.

Die gleichen Gründe werden für die Verdichtung islamistischer Terrorzellen in Tunesien selbst angenommen. Das Gebiet um Kasserine, bzw. das Bergland im Chambi-Massiv ist seit einigen Jahren Rückzugsort von Islamisten. Dort kommt es immer wieder zu Scharmützeln mit den Sicherheitskräften, aber auch zahlreichen Festnahmen.

In ganz Tunesien, aber vor allem in den Küstengebieten, sind die Sicherheitsmaßnahmen nach den letzten Anschlägen massiv verstärkt worden. Immer wieder werden so genannte “Gefährder” festgenommen. Nationalgarde und Polizei sind pausenlos im Einsatz. Dir wird vielleicht die eine oder andere Sicherheitsvorkehrung auffallen, es sind aber auch zahlreiche Polizeibeamte in Zivilkleidung aktiv.

Fundamental-islamischen Terror kann man nicht schönreden, doch die Gefahr diesem zum Opfer zu fallen ist nach 2015 in Tunesien eher gesunken als gestiegen. Absolute Sicherheit kann kein Land der Welt garantieren.

Sich in Tunesien frei zu bewegen ist, von einigen Ausnahmen abgesehen (siehe unten), nach wie vor möglich.

Die Gefahr von Kleinkriminalität (z.B. Diebstahl oder Betrug) ist in touristischen Zentren wesentlich größer als im Landesinneren. 

Meide größere und plötzliche Menschenansammlungen! Es kommt gelegentlich zu mehr oder weniger friedlichen Protesten gegen die Politik der tunesischen Regierung. Es besteht die -geringe- Gefahr zwischen die Fronten zu geraten.

Hinweise für Selbstfahrer und Rundreisende:

Das Grenzgebiet zu Algerien, insbesondere in der Gegend um das Chambi-Massiv/Kasserine ist eine militärische Sperrzone!
Es wird daher dringend von Touren in diese Gegend abgeraten! An der Grenze zu Libyen und im Süden Tunesiens, insbesondere in der Sperrzone, besteht die Gefahr, Waffenschmugglern aus/nach Libyen oder versprengten radikalen Einzelpersonen oder kleineren Gruppierungen zu begegnen.

Reisen südlich der Linie Djerba-Tozeur sollten daher aktuell nach Möglichkeit vermieden werden. Das Grenzgebiet Richtung Libyen ist außerdem in einem 20km breiten Streifen ebenfalls militärische Sperrzone. Darauf sollte unbedingt geachtet werden.

Beachte die Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes. Dort können sich Reisende außerdem im elektronischen Meldesystem des Amtes registrieren.