Ein größeres Problem

Umweltschutz

Umweltschutz

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Einer von tausenden Müllabladeplätzen
Biologisch abbaubare Plastiktüte

Die Sache mit dem Müll

Von allen Unzulänglichkeiten Tunesiens fällt diese allen Besuchern zuerst auf und ist neben den „nervigen Händlern“ der am häufigsten genannte Kritikpunkt in zahlreichen Reiseforen und Hotel-Bewertungsportalen.

In der Tat entwickelt sich ein Umweltbewusstsein in Tunesien nur sehr sehr langsam.

Die offenbar unvermeidlichen Plastiktüten, Getränkedosen, Zigarettenkippen, Bauschutt, Essenreste, Fensterrahmen, Reifen, Schrott und vieles mehr findet man eigentlich auf jeder größeren freien Fläche, in jedem Straßengraben, an jedem Strand, in jedem Fluss.


Zu allem Überfluss werden größere
Müllansammlungen dann auch ganz gerne einmal angezündet.


Auch bis an die feinen Näschen der europäischen Touristen fliegt dieser Geruch bei ungünstigem Wind, denn in der Tat befinden sich solche privaten Müllverbrennungsanlagen bei genauerem Hinsehen fast überall.

Wenn es regnet, ergießen sich Millionen Liter Müllsuppe in das Mittelmeer. Ein trüb-brauner Teppich treibt dann tagelang vor der Küste und der Müll gelangt von dort wieder an die Strände.

Leider wurden auch diverse Maßnahmen zum Schutz der Umwelt durch Revolution, Terrorismus und zuletzt die Covid-19-Pandemie zurückgeworfen.
Einen echten Erfolg verbucht Tunesien beim Verbot von Plastiktüten. Nicht bologisch abbaubare Tüten werden seit März 2018 sukzessive verbannt.

Mit ausländischer Hilfe wurden diverse Projekte zum Thema Müllentsorgung/Recycling aber auch Müllverwertung angeschoben.

„Labib“, ein stilisierter Wüstenfuchs, wirbt seit mehr als 20 Jahren für den Schutz der Umwelt in Tunesien.

Es wurde z.B. Ein Pfand-System für Plastik Müll eingeführt (150 TDN für eine Tonne Plastik), Sammelbehälter für die Entsorgung zumindest einiger der 700 Millionen Plastikflaschen pro Jahr wurden aufgestellt.

Die beste Unterstützung nützt jedoch nichts, wenn sich die Bevölkerung nicht mitziehen lässt.

Leider nehmen viele Tunesier ihre eigene Verantwortung noch nicht wahr.

Fracking, Bodenerosion, Küstenschutz & Co

Fracking, Bodenerosion, Küstenschutz & Co

Aber nicht nur im Kleinen, sondern auch im Großen z.B. bei Industrieabfällen, Küstenschutz, Abgasen, CO²-Ausstoß, Versandung, Umweltverschmutzung beim Abbau von Bodenschätzen und Bodenerosion hat Tunesien noch einigen Nachholbedarf.

Die tunesische Regierung erachtet das so genannte “Fracking” als eine Möglichkeit der Energiegewinnung an (Informationsblatt).

Bis heute wird in Tunesien kaum Müll verwertet, und das, obwohl sich damit auch Energie gewinnen und Geld verdienen ließe. Abwasser aus Industrieanlagen und Landwirtschaft gelang nach wie vor ungeklärt ins Meer.

Der Golf von Gabés sei klinisch tot dank der chemischen Industrie, die dort direkt am Meer liegt. Einer der schlimmsten Umweltskandale am Mittelmeer hat seinen Ursprung in der als idyllisch umworbenen Oasenstadt.

Aber Tunesiens erste Meerwasserentsalzungsanlage nahm 2019 ihren Dienst auf.

Seit dem Jahr 2017 ist Umweltverschmutzung ein Straftatbestand in Tunesien. Dieser kann mit Geldstrafen bis 1000 TND oder sogar Haft geahndet werden.
Für die Überwachung wird sogar eine eigene
Umweltpolizei eingesetzt.

Phosphatabbau bei Metlaoui
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